Online-Artikel
Die virtuelle Firma: Arbeiten unabhängig von Raum und Zeit
14.09.2012
Interview mit Wolfhart Grote, dem Chef des IT-Unternehmens infolab, über die Vorzüge dieser Art der Firmenorganisation
Die virtuelle Firma: Arbeiten unabhängig von Raum und Zeit
Herr Grote, infolab bezeichnet sich als virtuelle Firma. Ist infolab eine Briefkastenfirma?
Grote: Nein. Eine Briefkastenfirma besteht nur aus einem Briefkasten. infolab hingegen hat richtige Mitarbeitern, ein eigenes Firmengebäude mit entsprechenden technischen Einrichtungen. Der Unterschied zu anderen Firmen liegt jedoch in der Organisation. Die konventionelle Firma ist dadurch geprägt, dass Menschen an einer gemeinsamen Aufgabe zur selben Zeit am selben Ort arbeiten.
Bei der virtuellen Firma ist das anders. Zwar bleibt es dieselbe Aufgabe, an der man arbeitet. Doch ist es weitgehend den Mitarbeitern überlassen, wann und wo sie ihre Arbeit erledigen.
Welche Vorteile bringt die virtuelle Firma für die Mitarbeiter?
Grote: Die Mitarbeiter bekommen dadurch wesentlich mehr Freiräume. Sie können sich aussuchen wo sie arbeiten. Das kann dank der heutigen Technik irgendwo im Grünen sein, wo es sich in angenehmer Umgebung gut programmieren lässt. Auch eine andere Tageseinteilung ist kein Problem. Wer lieber später aufsteht und dafür lieber bis in die Nacht hinein arbeitet, kann das in einer virtuellen Firma tun. Ein wichtiger Aspekt der so gewonnenen Flexibilität ist außerdem die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.Aus all dem zieht natürlich auch unser Unternehmen Nutzen. Es kann wesentlich flexibler reagieren. Letztlich hat sogar die Umwelt etwas von der virtuellen Firma, weil man Fahrten einspart und somit den CO2-Ausstoß reduziert.
Seit wann hat sich infolab als virtuelle Firma organisiert?
Grote: Seit 1979, als wir die Firma gegründet haben. Damals waren die technischen Möglichkeiten allerdings noch eingeschränkt. Seit gut zehn Jahren haben wir so gute Voraussetzungen, dass wir das zunehmend nutzen.
Welche technischen Voraussetzungen sind notwendig?
Grote: Leistungsfähige Kommunikationswege. Telefon oder Briefpost reichen für die Kommunikation nicht aus. Das Internet hat hier viele neue Möglichkeiten eröffnet wie Telefon- und Videokonferenzen. Hinzu kommt die Möglichkeit, über das Internet auch Präsentationen darbieten zu können. Des Weiteren können mittlerweile mehrere Mitarbeiter an demselben Dokument von verschiedenen Orten aus gleichzeitig arbeiten.
Nun besteht die Arbeit für die Firma infolab ja nicht nur aus Kommunikation. Wie stellen Sie denn sicher, dass trotzdem jeder seine Arbeit macht, wenn die Mitarbeiter nicht anwesend sind?
Grote: Sowohl für eine virtuelle als auch für eine konventionelle Firma gilt: Wichtig sind Führung, eine Auswahl geeigneter und motivierter Mitarbeiter und eine sinnvolle Gestaltung der Rahmenbedingungen. Die Anwesenheit eines Mitarbeiters allein sichert mir noch keine guten Ergebnisse. Und auf die kommt es letztlich an.
Die virtuelle Firma setzt also ein hohes Maß an Vertrauen voraus. Kennen sich denn die Mitarbeiter untereinander? Wie gewährleisten Sie das Wir-Gefühl?
Grote: Die Mitarbeiter von infolab treffen sich regelmäßig zu Veranstaltungen, damit sich dieses Wir-Gefühl entwickeln kann. Für eine gute Zusammenarbeit ist auch ein ausreichendes Maß an Vertrauen notwendig. Und Vertrauen kann man am besten durch Vertrautheit aufbauen.
Aus der Erfahrung der vergangenen Jahre haben wir die folgende Regel entwickelt: Wir sollten uns in einem Team, das enger zusammenarbeitet, mindestens einmal im Quartal persönlich sehen. Dann können wir wieder ein gewisses Maß an Vertrauen auftanken, von dem wir auch weiterhin in Video- und Telefonkonferenzen zehren.
Und welchen Nutzen ziehen Ihre Kunden aus der virtuellen Firma?
Grote: Den Kunden kommt es in erster Linie darauf an, dass sie ordentliche Ergebnisse geliefert bekommen. Und die können wir in jedem Fall gewährleisten, ganz gleich wie wir sie produzieren, ob konventionell oder in einer virtuellen Organisation. Aber wir sind durch die virtuelle Firma ein ganzes Stück flexibler und können die maßgeschneiderten Lösungen oft schneller anbieten. Und an vielen Stellen ist es uns möglich, auch in der Kommunikation mit dem Kunden diese virtuelle Organisation anzuwenden. Wir haben auch schon an zahlreiche Kunden unsere Erfahrungen mit der virtuellen Firma nutzbringend weitergegeben.
Dipl.-Math. Dipl.-Inf. Wolfhart Grote ist Geschäftsführer des mittelständischen Softwarehauses infolab in Erlangen. Als erstes mittelständisches IT-Unternehmen wurde infolab 1995 nach DIN ISO 9001 zertifiziert. In den vergangenen vierzig Jahren hat Grote Hunderte von Softwareentwicklungsprojekten aller Größenordnungen begleitet und verantwortet. Das Unternehmen infolab entwickelt Software für die Branchen Logistik, Energie und Medizin und steht für Software nach Maß. www.infolab.de
Sie finden diesen Artikel interessant? Dann helfen Sie anderen ihn zu finden und kicken Sie ihn bei
www.dotnet-kicks.de!