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Beitrag "Re: Normierung in der Software-Industrie"

Re: Normierung in der Software-Industrie

05.04.2005 21:55
Ralf Westphal [MSDN RD & MVP]
Antworten

Bin grad aus dem Urlaub zurück und staune über die "Normierungsdiskussion"!
Wow! Sehr cool!
Ich finds toll, dass dieser Gedanke einmal so offen ausgesprochen wurde.

Beim Nachdenken darüber sind wir auch alle gefordert. Und ich denke, dass
wir alle da auch mitgestalten können.

Aber ich finde das Level noch nicht richtig.

Natürlich ist es lästig, Ungereimtheiten im .NET Fx zu finden. Warum ist
dies nicht so, wie ich es mir wünsche? Warum ist das anders als erwartet?
Warum ist MS dort stehengeblieben, wo doch ein tolles zusätzliches Feature
bestimmt nicht teuer gewesen wäre?

Alles gute Fragen und berechtigte Forderungen. Die Antworten mögen dann mal
sehr einfach und wenig plausibel sein, manchmal haben sie aber womögl Hand
und Fuß. Microsofts Ratschluss ist halt auch unerforschlich :-) (Aber es
gibt ja moderierte NGs bei MS, in denen man solche Fragen posten kann. Oder
man schreibt einen Entwickler über sein Blog direkt an. Die Offenheit bei MS
ist stark gewachsen.)

Am Ende können wir an diesen Details aber wenig ändern. Wer sich jedoch bei
Mono engagieren möchte, sei herzlich eingeladen. Novell braucht immer Hilfe,
würde ich sagen. Oder ein eigenes Open Source Projekt aufsetzen? Ist mit
Sourceforge kein Problem.

All das lenkt uns aber von dem ab, was wir eigentl jeden Tag tun müssen:
unsere Anwendungen programmieren.

Wir sollten aus Unzufriedenheit nicht den typischen
Programmierer-Nerd-Fehler begehen und Infrastruktur selbst in größerem
Umfang basteln. Workarounds hier und da müssen leider sein. Aber mehr? Ein
eigener O/R Mapper, weil Microsoft es nicht bringt? Oder ein eigenes UI
Framework, weil Data Binding Grütze ist?

Hm... ich bin skeptisch, dass das die richtige Lösung ist.

Auch wenn es langweilig klingen mag: Ich sehe das Heil eher in... einer
Spezialisierung und darauf aufbauend bzw. damit einhergehend der
Formulierung eines Wissens-Kanons (in Bezug auf Tools, Theorie und
Technologien).

Wenn es dann Spezialrichtungen gibt, z.B. UI-Entwickler, Schwerpunkt
WinForms, dann wird es auch sehr schnell zur Entwicklung von (de facto)
Standards kommen.
Dann wird es auch zur Entwicklung von Tools auf höherem Abstraktionsniveau
kommen.

Das dazu begleitende Konzept lautet "Software Factories". Microsoft ist
damit auf dem richtigen Weg. Aber die bauen halt am Ende nur wieder ein
Werkzeug bzw. ein Meta-Werkzeug. In Ergänzung ist dazu eine Strömung
gefordert, die dafür sorgt, dass Wissen gebündelt wird.

Ich plädiere daher für die Erarbeitung eines Wissenskanons. Das ist ein
Projekt, das ich schon mit Tilman und anderen angesprochen hatte. Wir haben
damals "Entwickler 2006" genannt. Was muss ein Entwickler im Jahr 2006
können, um "gut" zu sein? Dazu gehört Wissen in verschiedenen Bereichen, auf
verschiedenen Ebenen. Manches sollten alle wissen, manches nur Spezialisten.

Die Erarbeitung eines solchen Kanons sollte nicht Microsoft unterstehen,
sondern einem unabhängigen heterogenen Gremium.

Das wäre eine Front, an der wir Erfolge erzielen können. Bei der
Infrastruktur würden wir nur enttäuscht aus einem Waterloo heimkehren.


"Tilman Börner" wrote in message
news:58a15581-c40c-40ce-84ff-4ee53e856c9a@news.dotnetpro.de...
> Stimmt. VS.NET ist sicher eine der besten Entwicklungsumgebungn auf dem
Markt. Aber von Intellisense mal abgesehen, programmieren wir damit wie vor
fünf Jahren mit VB oder Delphi. Carsten hat absolut recht: Es fehlt an
Abstraktion, an Domain-spezifischen Sprachen (DSL), die es mir
beispielsweise gestatten, in zwei Zeilen Code Objekte aus einer Datenbank zu
holen.
> COmega und F# sind da sicher schon ein Schritt in die richtige Richtung.
> Und: VB und Delphi waren wirklich ein Aufatmen für die Windows-Entwickler.
Endlich Formulare zusammenklicken und nicht 200 Zeilen Code schreiben
müssen, nur um ein Fenster darzustellen. ABER: Die beiden tollen Teile haben
auch zu einer Unart in der Programmierung geführt: Viele Programme entstehen
von der Oberfläche aus. Einen Business Layer gibt es meist nicht und der
Zugriff auf die Datenbank erfolgt dank Binding direkt von der Oberfläche
aus. Nett für Calc, für 99 Prozent der Programme aber unbrauchbar.
> VS.NET sollte hier die Layer denke fördern, in dem ich erst mal die Layer
zusammenklicke, dann die Klassenrümpfe einfüge, die Klassen implementiere
und erst zum SChluss die Oberfläche bastele. Genau das fehlt aber noch und
man verliert sich in Solutions und Projekten und viel, viel Quellcode.
> Fazit: .NET braucht eine höhere Abstraktionsebene und VS.NET eine
Layer-spezifische (oder auch SOA-spezifisch) Herangehensweise.
>
> Tilman
> Andreas Weiss schrieb am 31.03.2005 um 20:11 in "Re: Normierung in der
Software-Industrie":
> > > > Und diese Layer als Open Source? Hm, da bin ich skeptisch,
> > >
> > > Manchmal sind zentrale Instanzen eben doch gut.
> > >
> >
> > Auh Carsten, geht es auch kürzer?
> >
> > Ich halte die zentrale Instanz MS für extrem praktisch.
> >
> > Es wäre jedoch viel hilfreicher, wenn nicht nur
> > Kundenbindungs-Community-Glocken geschlagen werden sondern Werkzeuge
> > bereitgestellt werden, damit der normale (?) Programmierer seine
> > Probleme/Ideen/... direkt aus der IDE oder "von der Kommandozeile aus"
an
> > die richtige Stelle bei MS posten kann u. das dort auch verarbeitet
wird.
> >
> > Diese Werkzeuge gibt es derzeit nicht u. die entsprechende Infrastruktur
> > diese einlaufenden Infos aufzunehmen auch nicht. Gerade hier könnte MS
viel
> > rausholen durch das direkte Kundenfeedback u. wenn es denn wieder in
neue
> > Produkte fließen würde.
> >
> > Andreas
> >
> >

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ThemaAutorDatum
Normierung in der Software-Industrie Carsten Posingies 30.03.2005 18:25
» Re: Normierung in der Software-Industrie Andreas Weiss 30.03.2005 20:45
» Re: Normierung in der Software-Industrie Carsten Posingies 30.03.2005 21:06
» Re: Normierung in der Software-Industrie Tilman Börner 31.03.2005 14:41
» Re: Normierung in der Software-Industrie Carsten Posingies 31.03.2005 19:56
» Re: Normierung in der Software-Industrie Andreas Weiss 31.03.2005 20:11
» Re: Normierung in der Software-Industrie Tilman Börner 01.04.2005 11:41
» Re: Normierung in der Software-Industrie Andreas Weiss 02.04.2005 20:16
» Re: Normierung in der Software-Industrie Tilman Börner 05.04.2005 19:24
» Re: Normierung in der Software-Industrie Ralf Westphal [MSDN RD & MVP] 05.04.2005 21:55
» Re: Normierung in der Software-Industrie Carsten Posingies 06.04.2005 14:06
» Re: Normierung in der Software-Industrie Ralf Westphal [MSDN RD & MVP] 06.04.2005 15:49
» Re: Normierung in der Software-Industrie Carsten Posingies 06.04.2005 17:00
» Re: Normierung in der Software-Industrie Andreas Weiss 06.04.2005 21:24
» Re: Normierung in der Software-Industrie Carsten Posingies 07.04.2005 09:57
» Re: Normierung in der Software-Industrie Ralf Westphal [MSDN RD & MVP] 07.04.2005 11:55
» Re: Normierung in der Software-Industrie Andreas Weiss 18.04.2005 20:04
» Re: Normierung in der Software-Industrie Ralf Westphal [MSDN RD & MVP] 19.04.2005 07:57
» Re: Normierung in der Software-Industrie Andreas Weiss 21.04.2005 18:12
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