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Beitrag "Re: Normierung in der Software-Industrie"

Re: Normierung in der Software-Industrie

07.04.2005 11:55
Ralf Westphal [MSDN RD & MVP]
Antworten

"Carsten Posingies" wrote in message
news:4253fd05@news.basicworld.com...
> Ralf Westphal [MSDN RD & MVP] wrote:
>
> > Im bisherigen Konzept ist auch wichtig, dass es "Entwickler jjjj"
> > heißt, denn das bedeutet, der Kanon unterliegt ständiger Prüfung.
> > Wenn NUnit für 2006 drin ist, kann es 2007 schon wieder draußen sein,
> > falls seine Wichtigkeit so stark abgenommen hat.
> > Dafür kommen dann aber vielleicht "Active Objects" in den Kanon rein
> > - oder so.
>
> Hierzu müsste es erstmal eine Art Normen-Katalog geben oder eine Matrix,
> die definiert, welche Bausteinchen von "Entwickler jjjj" für einen
> Entwickler mit welchem Schwerpunkt interessant sind. Es müsste eine Art
> von Auswahl bestimmter Projekttypen (vom Taschenrechner bis zur
> unternehmensweiten, eierlegenden Wollmilchsau der Sorte "SAP") geben.

Das sehe ich genau so. Und ich finde es lange überfällig. Microsoft selbst
hätte gut daran, soetwas schon lange aufzustellen. Technologien ließen sich
darüber viel leichter positionieren.


....
> > Wenn aber erstmal Spezialisten sich auf Bereiche konzentrieren, dann
> > wird es übersichtlicher.
>
> Nur dann, wenn deren Resultate auch bekannt werden, und zwar bei
> grundsätzlichen Problemen quer durch alle Spezialisierungen.

Ja, warum nicht? Es wird ja heute schon viel publiziert. Morgen würde das
nicht weniger werden, aber hoffentl in bessere Bahnen gelenkt.


>
> > Die letzten Universalgelehrten waren Da Vinci und Goethe oder so.
>
> Es geht eben nicht um das Universelle, sondern um die Grundlagen. Wenn
> Du Physik studierst, kannst Du Dich so fein spezialisieren, dass Du nach
> 7 Semestern Deinen ehemaligen Kollegen aus dem Grundstudium nicht mehr
> verstehst. Aber wenn Du die Grundlagen der ART und der QCD nicht
> verstanden hast, kannst Du heute weder Festkörper- noch Biophysik
> erfolgreich studieren.

Und so ist es bei der Software-Entwicklung: Reguläre Ausdrücke und
Multithreading gehören für mich zu den Grundlagen, in denen alle firm sein
sollten. DirectX, ADO.NET und Windows Installer gehören aber Spezialgebieten
an. Ich muss als DB-Spezialist nichts über Installer Klassen wissen und als
Deployment-Spezi nichts über Vertex Shaders.

Ein universitäres Studium unterscheidet auch zwischen allgm Grund- und
spezialisiertem Hauptstudium. Das Problem dabei ist nur, dass die Uni sich
in keine Technologieecke pinseln will. Ist schon ok - aber ist am Ende, wie
ich finde, uneffektiv, wenn man Leute für den Arbeitsmarkt ausbilden will.

Insofern bin ich schon lange Freund des Gedankens einer "Microsoft
University": Dort würden allgm Grundlagen mit realer Technologie verknüpft
und anhand realistischer Projekte vom 1. Semester an angewandt. Die Sicht
wäre fokussiert auf die Microsoft Welt - aber der Blick würde auch über den
Tellerrand zu NAnt oder Vault gehen.
Dort würde geleistet werden können, was kein MOC Kurs bringt und keine Uni
will.
Aber auch das ist ein anderes Thema...


....
> > Ist es ja auch, wenn du COM+ oder IIS benutzt.
> > Und wenn du was eigenes machst, dann bitte: schreib gern eine NT
> > Service EXE. Kein Problem.
>
> Doch ein Problem, weil Du ja zum Schluss nicht nur Komponenten testest,
> sondern auch die gesamte Anwendung. Und den Debugger benutzt man ja
> nicht nur, um Fehler zu finden, sondern auch, um zu schauen, ob alles so
> ineinander greift, wie man es sich gedacht hat. Quasi der letzte (aber
> sehr lange und umfangreiche!) Kontrollblick auf sein Baby, bevor man es
> vor der Tür herumtappsen lässt.

Einen Debugger zu nehmen, um zu sehen, ob alles ineinander greift, finde ich
ineffektiv und fehlerträchtig.
Autom. Regressionstests mit Code Coverage Analyse leisten das besser.


....
> > Das Problem liegt aber nicht prinzipiell beim "Einkaufen" fremder
> > Komponenten, sondern in deren Qualität.
>
> Eben, genau das. Ganz nebenbei sind heutzutage die Trial-Zeiten für
> kostenpflichtige Bibliotheken viel zu kurz, da man ja doch oft über
> mehrere Monate lang probiert, bastelt, sich einarbeitet,
> experimentiert... oder bin ich der einzige hier, der auch in seiner
> Freizeit kodet? ;-)

Nein, nicht der einzige. Aber es tun nicht so viele. Und das finde ich
völlig ok. Technologie muss mit einem 40 Std Job beherrschbar sein.
Wenn sie das nicht ist, ist was falsch. Dann will ich zuviel oder die
Technologie ist zu komplex.
Heute gilt beides: Die Technologien dürfen gern noch einfacher, aber die
Generalistenmentalität will auch zuviel.


>
> > -Zum anderen müssen Medien wie Google besser werden.
>
> Um das zu erreichen, was Du mit "besser" meinst, kann das nur eine
> Instanz sein, die mit so einem Infodienst nicht direkt Geld verdienen
> muss.

Ja, warum nicht.
Siehe dazu:
http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/5/0,3672,2285061,00.html
Das ist der Trend.
Die Zeit des kostenlosen Internet geht ihrem Ende zu. Die kostenlose Zeit
war nur der erste Teil einer Mischkalkulation und einer Aufbauphase. So wie
die Subventionierung von Handys. Die kritische Masse ist nun erreicht. Wir
werden zu Business as usual übergehen und das heißt: Qualität kostet Geld.
Und ich bin auch bereit, für gute Inhalte Geld zu bezahlen. Denn gute
Inhalte sparen mir Zeit und machen mehr Spaß.


> > Wer sollte das Team sein? Und gibt es das nicht in Form von NGs?
>
> Das mag für englischsprachige NGs gelten, weiß ich nicht.
>Die meisten
> deutschen NGs sind eher Anlaufstellen für n00bs, denen MVPs aus die
> Sprünge helfen. Ich finde es ausgezeichnet, dass es sowas gibt, keine
> Sorge. Es ist ja schon erfreulich, dass auch heute noch Leute den Weg in
> NGs finden, und ich selbst bin ich genügend Bereichen n00b und freue
> mich über Leute wie Herfried K. Wagner und Thomas Scheidegger, die für
> jede noch so dumme Frage einen Link oder gleich Code-Schnippel und vor
> allem eine unendliche Geduld haben. Aber ich lese dort zu viel über Data
> Binding, um die deutschen MS-DotNet-NGs als Sammelstelle für Pros
> anzusehen.

Tja, was machen denn dann die Pros? Die lösen jedes Problem heldenhaft
selbst! Jawoll! Koste es, was es wolle. NGs sind für Schwächlinge. Und
Fortbildung ist Luxus. Von 80.000+ Entwicklern sehen wir jedes Jahr auf
Fortbildungsveranstaltungen (Entwicklerkonferenzen) nur einen Bruchteil
(vielleicht nur 5000 verschiedene Entwickler). Das spricht nicht für die
Fortbildungsbewusstheit der Entwickler insgesamt. Und man sage nicht, es
mangele an Angeboten. Jede NG kann zu einer Profi-NG gemacht werden, wenn
sich denn die Profis mit ihren Profi-Problemen darin tummeln würden.

>
....
> > Genau: erstmal sichten! Das stünde am Beginn des Kanons. Dafür müssen
> > aber erstmal Kategorien erarbeitet werden, innerhalb derer gesichtet
> > werden muss. Z.B. Versionkontrollsysteme, Unit Testing Tools,
> > DataGrids usw. Und wenn diese Bereiche (mehr oder weniger
> > feingranular) definiert sind, dann gehen die Kenner dieser Bereiche
> > her und bewerten. Und wenn am Ende heraus kommt, in einem Bereich
> > gibt es nur Mittelmaß, dann kann man immer noch aufstehen und fragen,
> > wer mitmacht, etwas besseres zu produzieren.
>
> Auch wenn ich kein Fan von Karnevals-Schlagern bin, doch ein Zitat von
> "De Höhner": "Da simmer dabei, dat is prima! Viva Colonia!" ;-)

Na, dann man los ;-)

Ganzer Thread

ThemaAutorDatum
Normierung in der Software-Industrie Carsten Posingies 30.03.2005 18:25
» Re: Normierung in der Software-Industrie Andreas Weiss 30.03.2005 20:45
» Re: Normierung in der Software-Industrie Carsten Posingies 30.03.2005 21:06
» Re: Normierung in der Software-Industrie Tilman Börner 31.03.2005 14:41
» Re: Normierung in der Software-Industrie Carsten Posingies 31.03.2005 19:56
» Re: Normierung in der Software-Industrie Andreas Weiss 31.03.2005 20:11
» Re: Normierung in der Software-Industrie Tilman Börner 01.04.2005 11:41
» Re: Normierung in der Software-Industrie Andreas Weiss 02.04.2005 20:16
» Re: Normierung in der Software-Industrie Tilman Börner 05.04.2005 19:24
» Re: Normierung in der Software-Industrie Ralf Westphal [MSDN RD & MVP] 05.04.2005 21:55
» Re: Normierung in der Software-Industrie Carsten Posingies 06.04.2005 14:06
» Re: Normierung in der Software-Industrie Ralf Westphal [MSDN RD & MVP] 06.04.2005 15:49
» Re: Normierung in der Software-Industrie Carsten Posingies 06.04.2005 17:00
» Re: Normierung in der Software-Industrie Andreas Weiss 06.04.2005 21:24
» Re: Normierung in der Software-Industrie Carsten Posingies 07.04.2005 09:57
» Re: Normierung in der Software-Industrie Ralf Westphal [MSDN RD & MVP] 07.04.2005 11:55
» Re: Normierung in der Software-Industrie Andreas Weiss 18.04.2005 20:04
» Re: Normierung in der Software-Industrie Ralf Westphal [MSDN RD & MVP] 19.04.2005 07:57
» Re: Normierung in der Software-Industrie Andreas Weiss 21.04.2005 18:12
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