dotnet Cologne 2017 20.07.2017, 00:00 Uhr

Von uns für uns

Zum neunten Mal fand die Community-Konferenz statt. Ein Erfahrungsbericht.
Gut gefüllt, aber nicht überfüllt: Die dotnet Cologne im KOMED (Bild 1)
Die Gruppe der deutschen Entwicklerkonferenzen im
.NET-Bereich ist gut besetzt. Mittendrin gedeiht seit neun Jahren die dotnet Cologne ( https://dotnet-cologne.de) – und das ziemlich gut. Könnte sie reden, würde sie sich wahrscheinlich als Community-Konferenz bezeichnen. Schließlich stellen Personen aus der Community diese Konferenz für die Community auf die Beine. Und die müssen wissen, wie es geht. Schließlich sind das die Leute hinter den .NET User Groups in Bonn und Köln. Jahr für Jahr stellen sie ein Programm zusammen, das von den Sprechern mitgetragen wird, denn diese erhalten kein Honorar für ihre Vorträge.
Trotzdem sind die Kosten für so eine Veranstaltung hoch. Die Einnahmen über die Tickets können sie nicht decken. Denn die Veranstalter achten sehr darauf, dass die Konferenz nah an der Community bleibt. Dazu gehören auch die Ticketpreise: Sie sind günstiger als bei vielen anderen Konferenzen.
Unklar ist, ob das der Grund für den großen Zuspruch ist, den die dotnet Cologne erfährt. So dauert es nur wenige Minuten, bis die rund 400 Tickets verkauft sind. Die begrenzte Zahl der Karten macht die dotnet Cologne zu einer gut gefüllten und dennoch nicht überfüllten Konferenz (siehe Bild 1).
Die Ausstellungsstände waren gut besucht (Bild 2)
(Quelle: dotnet Köln/Bonn e.V.)
Die fehlenden Ticket-Einnahmen rufen Sponsoren auf den Plan, die den Rest der Kosten tragen. Etliche waren mit – gut besuchten – Ständen vor Ort. Eine Trennung zwischen Teilnehmer und Aussteller schien nicht zu existieren (Bild 2).

Das Jahr 2017

Am Donnerstag, den 4. Mai, startete die Konferenz im KOMED im MediaPark Haus 6 und 7 in Köln mit sechs Workshops. Deren Themen erstreckten sich von Microsoft Azure, CQRS und Angular über Xamarin und UI-Praxiswissen bis hin zu ASP.NET Core – Themen also, die viele ansprechen. Kein Wunder, dass die Workshops schnell ausgebucht waren.
Auch die Sessions am Freitag waren von der Themenvielfalt her so groß, dass es schwerfiel, etwas herauszupicken. In der Regel hätte man eigentlich mehrere Sessions gleichzeitig besuchen müssen.
Da das zugegebenermaßen etwas schwierig ist, lohnt es sich, als Team auf die dotnet Cologne zu gehen: Jeder bekommt einen Teil mit und kann sein Wissen am Ende mit den Teammitgliedern teilen. Klassisches Session-Splitting also auch auf der dotnet Cologne.
Die Themen der Sessions erstreckten sich von toolgetriebenen Vorträgen zum Beispiel zu Azure, TFS, Docker, MahApps und Rider über weichere Themen wie guten Code oder Zusammenarbeit im Team. Aber auch eher erfahrungsgetrie­bene Vorträge zum Beispiel über Remote Working und die gesundheitlichen Gefahren, die lauern, wenn wir nicht mehr auf uns selbst hören, wurden angeboten.
Diese breite Auswahl an technischen und weniger technischen Themen mit sehr unterschiedlichen Anforderungen machte es auch Einsteigern leicht, Vorträge auf der dotnet Cologne zu finden. Gut besucht waren unter anderem Klassiker wie der von Daniel Marbach mit dem Thema „Code­basen zu async/await refaktorisieren“.
Ein weiteres Highlight war der Vortrag „Von Siedlern und Entdeckern“ von Jan Fellien und Dennis Traub. Auch wenn dieser Vortrag spontan als Ersatz für einen ausgefallenen Vortrag ins Programm genommen wurde, überzeugten die Vortragenden sowohl in puncto Vortragsart als auch inhaltlich.
Ähnlich faszinierend war der Vortrag „Vom Bildschirm in die Notaufnahme“ von Dennis Traub, in dem er von seinem Zusammenbruch und seiner Neuorientierung berichtete. Ein sehr privates und gleichzeitig heikles Thema, betrifft der Zustand der ständigen Überforderung und des Dauerstresses doch vermutlich mehr Personen, als wir uns eingestehen wollen.

Lightning Talks

Ein sehr gutes Format sind die sogenannten Lightning Talks. Im Kontrast zu den normalen Sessions mit einer Dauer von 60 Minuten ist ein Lightning Talk auf 20 Minuten angesetzt. Das ist gerade die richtige Zeitspanne, um etwas Interessantes zu berichten, kurz ein Tool anzuwerfen und Erfahrungen damit zu zeigen oder um eine Diskussion anzuregen. Viel Spaß bereitet hat zum Beispiel der Talk „Hot, Hotter, Hottest“ von Constantin Kostja Klein, in dem er einmal querbeet die heißen Technologien des vergangenen Jahres mit den aktuellen Trends und mit eigenen Erfahrungen vermischte und zur Diskussion stellte, was denn nun wirklich relevant sei.
Sehr gut besucht war auch der Lightning Talk von Holger Schwichtenberg mit dem Titel „Lohnt sich .NET Core, ASP.NET Core, EF Core?“. Das Thema wird aktuell sehr kontrovers diskutiert, da die Strategie von Microsoft dahinter nicht so richtig deutlich wird.

Fazit

Mein Gesamtfazit zur dotnet Cologne 2017 aus erster und zweiter Reihe fällt sehr positiv aus. Die Konferenz war äußerst professionell organisiert. Von der Einreichung der Sessions und der Kommunikation im Vorfeld über das Anmeldeverfahren und die Location bis hin zur Verpflegung stimmte meiner Meinung nach alles. Das gilt explizit auch für die Sicht aus der ersten Reihe, der eines Sprechers. Da ich selbst eine Session zum Parsergenerator ANTLR gehalten habe, kann ich auch darüber urteilen. 2018 wird es wieder eine dotnet Co­logne geben, genauer gesagt findet sie am 3. und 4. Mai 2018 statt. Dann begeht die Konferenz ihren zehnten Geburtstag – ein Grund, gebührend zu feiern. Meine Empfehlung lautet daher, die Teilnahme an der Konferenz und, wenn möglich, auch dem Workshop-Tag ins Auge zu fassen.
Und wer Sorge hat, kein Ticket zu bekommen, kann überlegen, einen Lightning Talk einzureichen. Denn damit gehört man zu den Sprechern, was einem auf jeden Fall eine Eintrittskarte sichert, die noch dazu kostenfrei ist.
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