Interview 07.02.2020, 14:58 Uhr

Stack Overflow bleibt kostenfrei

CEO Prashanth Chandrasekar verrät im Interview mit dotnetpro, wie es mit der Entwickler-Community-Plattform weitergehen soll.
(Quelle: Stack Overflow )
Seit Oktober 2019 ist Prashanth CEO von Stack Overflow. Die Frage-Antwort-Plattform, die für viele Entwickler die Anlaufstelle Nummer eins ist, wenn sie auf Probleme beim Kodieren stoßen. Wie liest man alle Dateinamen eines Verzeichnisses in ein Array? Welche Tastenkombination sorgt dafür, dass in Visual Studio ein markierter Text mit einem #region-Tag umschlossen wird? Antworten weiß Stack Overflow. Mehr als 18 Millionen Fragen und 28 Millionen Antworten finden sich in den Tiefen des Dienstes. "80 Prozent der Nutzer sind gar keine professionellen Softwareentwickler, sondern Hobbyisten und Menschen, deren Job es vielleicht ist, Marketing zu machen, und die eben mal nachsehen müssen, wie ein Attribut eines HTML-Tags heißt", erklärt Prashanth. "Das wissen wir aus unserer jährlich stattfindenden Umfrage."
Mit mehr als 51 Millionen Besuchern jeden Monat muss die Serverlandschaft im Hintergrund einiges leisten, was bares Geld kostet. Trotzdem sagt Prashanth: "Stack Overflow wird auch weiterhin kostenlos sein. Das ist und bleibt eine Community-Plattform. Das Geld verdient Stack Overflow über andere Kanäle."
Auf Nachfrage erklärt Prashanth, dass dies derer drei wären: Talents, die Job-Plattform, würden mit 50 Prozent zum Umsatz beitragen, Teams, die Frage-Antwort-Plattform für private Communites, und Ads (Anzeigen) je zu 25 Prozent.
"Stack Overflow soll wachsen. Ende des Jahres wird es noch einmal eine Aufstockung des Investment-Kapitals geben. Und in ein paar Jahren ist der Gang an die Börse geplant", meint Prashanth. Auf dieses Wachstum setzen auch Firmen wie Andreessen Horowitz oder Bezos Expeditions, die bislang rund 70 Millionen Dollar in Stack Overflow gesteckt haben, das 2008 von Joel Spolsky und Jeff Atwood gegründet wurde. Dieses Jahr noch soll das Managementteam ausgebaut werden.
Prashanth Chandrasekar, der in Indien geboren wurde, hat schon als Kind mit Sprachen wie Logo, Basic oder C++ zu programmieren begonnen, dann Computer Science studiert und bei Firmen wie Texas Instruments oder Cabletron kodiert.
Programmierung war aber nicht die einzige Disziplin, die ihn fasziniert hat. Auch die betriebswirtschaftliche Sicht auf Unternehmen wollte er erlernen. Er besuchte die Harvard Business School und arbeitete bei Capgemini, Barclays Investment Bank und baute bei Rackspace die Cloudabteilung auf. "Innerhalb von vier Jahren machte die Abteilung viele Millionen Dollar Umsatz", sagt Prashanth.
Seit Oktober 2019 ist er nun Chief Executive Officer von Stack Overflow und bestimmt damit maßgeblich die weitere Ausrichtung der Firma. "Die Welt ändert sich massiv. Auch die der Entwickler", meint er. "Früher hieß es, Softwareentwickler wären introvertiert. Das können wir nicht bestätigen. Wir haben viele Kontakte zu unseren Kunden, und die sind alles andere als introvertiert. Jeder der Entwickler arbeitet mit Slack oder Microsoft Teams und ist gut vernetzt. Über GitHub und Jira tauschen sich die Entwickler aus."
In diese Richtung wird Stack Overflow gehen. Nein, eine Konkurrenz zu Jira sei nicht geplant, so der CEO. Aber mit Teams hätten sie die Funktionalität von Stack Overflow schon für Entwicklungs- beziehungsweise Produktteams erweitert. Damit könnten die Mitglieder dieser Teams Wissen miteinander austauschen, das in der freien Welt wahrscheinlich niemanden interessieren würde.
Eine weitere Geldquelle ist Stack Overflow Enterprise. Dabei handelt es sich um eine private, selbst gehostete Variante von Stack Overflow.
Und was ist mit Stack Exchange? Auch die Erweiterung des Frage-Antwort-Models auf andere Themenbereiche soll kostenfrei bleiben. Aber der Bekanntheitsgrad sei zu gering. "Künftig sollen Stack Overflow und Stack Exchange mehr zusammenarbeiten", so Prashanth. Vorstellbar wäre, dass in Stack Overflow auch Antworten aus Stack Exchange zum gleichen Thema angezeigt würden.
"Wir wollen auf jeden Fall die Community-bildende Plattform bleiben und ausbauen", meint Prashanth. Hinein in die Firmen, denn dort gebe es großen Bedarf an Wissenstransfer und Austausch.
[Update] In einer früheren Version der News stand, dass die Umsatzverteilung Ad (Anzeigen) 50 Prozent, Teams und Talents je zu 25 Prozent.
In einer früheren Version stand auch, dass ein CTO und ein CPO gesucht würden. Dem ist wohl nicht so.


Das könnte Sie auch interessieren