Editorial 12.03.2018, 00:00 Uhr

Wo bist du?

Gesucht: Guter Entwickler, motiviert und teamfähig, schnell, jung und dynamisch.
Ja, ich höre Sie schon lachen. Nicht, weil diese Eigenschaften unvereinbar wären, sondern weil es derzeit quasi aussichtslos ist, einen solchen Menschen zu finden. Dass es schwierig ist, gute Entwickler zu bekommen, musste auch Entwickler-Ikone Joel Spolsky (www.joelonsoftware.com), CEO von Stack Overflow, zugeben, als er anlässlich eines Besuchs in München Antworten auf Fragen von Johann Romefort, Tech Evangelist bei der Modeplattform Stylight, gab.
Viele Firmen könnten aber die Problematik entschärfen, wenn sie Remote-Arbeit zulassen würden, meinte Spolsky. Es gebe viele gute Entwickler, die aber nicht in den Ballungszentren lebten und auch nicht bereit seien, dorthin zu ziehen.
Allerdings müssen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. Eine gute Internet-Verbindung ist das A und O, da sie nicht nur für den Zugriff auf Repositories, sondern auch für die Kommunikation per Slack, IRC oder Videokonferenz das Rückgrat bildet. Kurze Reaktionszeiten sollten zur Firmenrichtlinie gehören. Das schließt quasi die Remote-Arbeit über mehrere Zeitzonen hinweg aus. Zwischen Europa und Asien beispielsweise ist eine Zusammenarbeit fast ausgeschlossen – arbeitet der eine, schläft der andere.
Entscheidend sei aber auch, wie man in der Firma mit den Remote-Mitarbeitern umgehe, so Spolsky. Bei Stack Overflow würden alle Meetings grundsätzlich nur online ablaufen. Dadurch entstehe keine Zweiklassengesellschaft.

Reine Online-Meetings sorgen für
die Integration der Remote-Arbeiter.

Nun gesetzt den Fall, Sie sind der oben beschriebene junge, dynamische Entwickler und sind auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle. Wem sollten Sie dann den Zuschlag geben? Dabei kann Ihnen der Joel-Test helfen: Sie bewerten ein Unternehmen in zwölf Kategorien wie etwa „Benutzt das Unternehmen ein Versionskontrollsystem?“ oder „Gibt es eine Bug-Datenbank?“. Die Anzahl an Punkten gibt Ihnen eine Entscheidungshilfe an die Hand.
Keine hervorgehobene Rolle sollte das Gehalt spielen. Facebook beispielsweise bezahle sehr gut, so Spolsky. Der Grund: Sie stopfen die Entwickler in einen riesigen Raum mit vielen, vielen anderen Entwicklern.
Viel Spaß mit der dotnetpro
Tilman Börner
Chefredakteur dotnetpro
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