Interview 13.01.2020, 00:00 Uhr

„Nicht unbedingt eigene ­Entwickler, aber gute Partner“

Softwarekompetenz gehört heute in jede Firma, meint Daniel Eichten. Für die Developer Week 2020 entscheidet er, welche Sessions im Track Container stattfinden werden.
(Quelle: dotnetpro)
Container sorgen für eine einfache Verteilung von Software auf Server. Statt sich durch endlose Installations- und Konfigurationsorgien zu quälen, gewinnen Entwickler und Administratoren durch den automatisierbaren Deployment-Prozess Zeit. Container heißt einer der Tracks, die auf der Developer Week vom 29. Juni bis 3. Juli 2020 in Nürnberg stattfinden werden. Daniel Eichten entscheidet darüber, welche Sessions im Track Container stattfinden werden.
Daniel, du entscheidest als Track Chair der Developer Week, welche Sessions im Track Container gehalten werden. Was macht dich fit für diesen Job?
Daniel Eichten: Ich habe mich privat und auch beruflich sehr früh in das Thema Container eingearbeitet und es zu meinem täglich benutzen Werkzeug gemacht. Das erste Mal in Berührung mit Containern bin ich im Oktober 2013 gekommen, als wir über die Strategie eines Data Center Moves nachgedacht haben, das war mit Docker Version 0.4. Die ersten produktiven Workloads haben wir dann bereits mit Version 0.7 eingesetzt, was stellenweise schon problematisch war, aber auch ein großer Erfolg. Und auch Orchestrierungstools habe ich bereits früh eingesetzt, wobei ich zu meiner Schande gestehen muss, dass ich dort erst bei Version 1.0 auf der Release Party in Portland eingestiegen bin.
Deiner Biografie kann man entnehmen, dass du der Meinung bist, dass sich jedes Unternehmen auf Softwareentwicklung verstehen sollte. Kannst du präzisieren, was du damit meinst?
Eichten: Ich bin fest davon überzeugt, dass sowohl Softwareengineering als auch die Beschäftigung mit Machine Learning früher oder später zu dem Repertoire jedes Unternehmens gehören muss, genauso wie HR oder Controlling. Natürlich heißt das nicht, dass jedes Unternehmen – speziell kleinere – das alles selbst machen muss. Hier wird es durch Low-Code-Plattformen (PowerApps etc.) und Machine-Learning-Plattformen (AutoML, AI Builder ...) immer einfacher, die Technologien zu verwenden.
Aber wir sind immer noch weit davon entfernt, dass man sie wie Autos verwenden kann: einsteigen und losfahren. Derzeit muss man immer noch darüber nachdenken, wie das Innere funktioniert.
Interessanterweise sehe ich aber auch gerade an Entwicklungen wie dem Angebot von Marketplaces, dass sich die Landschaft ändert. Als E-Commerce-Start-up braucht man heutzutage keinen eigenen Onlineshop oder eigene Logistik mehr. Man begibt sich damit aber in die Hände der Platform Economy und ist dieser unweigerlich ausgeliefert. Es ist also eine Art Love-Hate-Beziehung.
Daniel Eichten
Daniel glaubt fest daran, dass (Software-)Engineering eine Kernkompetenz moderner Unternehmen sein sollte. In den letzten sieben Jahren hat er adidas auf dieser Reise unterstützt und ist aktuell als Senior Director Platform Engineering damit beschäftigt, Dienste bereitzustellen, die eine Product-Led-Organisation benötigt. Während er ablehnt, in Schubladen gepresst zu werden, würde er sich am ehesten mit einem SRE-Profil identifizieren. Anfang der 2000er Jahre hat er zwei Start-ups mitbegründet und war nach seinem Masterstudium sechs Jahre für eine digitale Agentur ­tätig. Als Rheinländer lebt er nach dem kölschen Grundgesetz und als Engineer folgt er Werner Vogels Prinzip „You built it, you run it“, oder wie er es gerne ausdrückt: „You break it, you fix it.“
Sollte jedes Unternehmen Softwareentwickler einstellen?
Eichten: Wie gesagt, ab einer gewissen Größe bin ich der Meinung, dass das notwendig ist, schon alleine, um Anbieter und Zulieferer entsprechend beurteilen zu können.
Anders gefragt: Sind Unternehmen ohne Softwareentwicklung nicht zukunftsfähig?
Eichten: Ja und nein. Das hängt immer davon ab, in welchem Stadium sich ­diese befinden. Natürlich braucht ein kleines Start-up, dessen Zweck nicht direkt Software oder digitale Dienstleistungen sind, nicht zwingend eigene Entwickler – aber in jedem Fall einen guten Partner.
Aber wenn man sich anschaut, welche Unternehmen äußerst erfolgreich sind, so bezeichnen sich diese in der Regel als „Softwareunternehmen mit ...“ wie zum Beispiel die Starling Bank in Großbritannien. Ein Softwareunternehmen mit einer Banklizenz. Und wenn man sich deren Geschichte ansieht, ist das schon ziemlich beeindruckend – sowohl von der technischen Expertise als auch vom Unternehmenserfolg her.
In deinem Lebenslauf steht, dass du Anfang der 2000er ­Jahre zwei Start-ups gegründet hast. Was haben die beiden Firmen gemacht und gibt es sie noch?
Eichten: Haha! Nein, aber ich möchte beide nicht missen. Ich muss dazusagen, dass ich das natürlich nicht alleine war. Wir sind damals vor dem Höhepunkt der Dotcom-Blase mit einer Me-too-Idee eingestiegen – kurz nachdem die Samwer-Brüder Alando an Ebay verkauft hatten. Und wir wollten auf dem durch EU-Richtlinien gelockerten Glücksspielmarkt ein Online-Casino etablieren. Am Ende war es tägliches und kostenfreies 6-aus-49-Lotto – sogar mit eigener Lottomaschine.
Wir hatten im November/Dezember 2001 durch eine Kooperation mit Yahoo (ja, das war, bevor jeder Google verwendet hat) auch die zumindest meines Wissens immer noch größte Online-Gewinnsumme im deutschsprachigen Raum: 10 Millionen D-Mark. Im April 2001, kurz nachdem die Blase geplatzt war und jedes Online-Unternehmen Geld sparen musste, haben wir genau dafür etwas entwickelt: einen Traffic Optimizer, der Webtraffic circa um
30 bis 50 Prozent redu­zieren konnte. In Zeiten, in denen jedes vom Datacenter ausgehende Gigabyte etwa 20 Euro gekostet hat, war das natürlich bares Geld. Aber im Endeffekt war unsere Finanzdecke zu dünn, sodass wir nach ein paar erfolgreichen Deals im Mai des folgenden Jahres die Türen schließen mussten.
Nach welchen Kriterien wirst du die Sessions für die Deve­loper Week auswählen?
Eichten: Die Sessions sollen einen guten Mix aus Anfänger- bis Expertenlevel aufweisen und das Thema Container-Orchestrierung bestmöglich abdecken. Und in Zeiten von täglichen News zu Data Breaches wird das Thema Security und Observability eine besondere Rolle für mich spielen.
Und zum Schluss noch: Was assoziierst du mit den folgenden Begriffen?
Kubernetes: Operating System für das Data Center.
DevOps: Überstrapazierter Begriff. Leider viel zu häufig verwendet, um SysAdmins-on-Steroids zu finden. Dabei wird die eigentliche Bedeutung von 2011 immer wieder vergessen.
Windows: Ich bin seit 1994 Linux- und seit 2002 Mac-Nutzer. Windows fasse ich nur an, wenn es nicht anders geht. „In the beginning was the Command Line“ (Neal Stephenson).
Testen: Absolut notwendig und jeden Tag lernen wir dazu, wie wir etwas testen können, was untestbar erscheint.
Agile: Siehe DevOps: Leute sagen agile und meinen Scrum. Bitte alle vorher einmal das Agile Manifesto lesen, dann wird klar, dass es ein Mindset und keine Methodik ist.
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