Infrastruktur 17.11.2022, 07:52 Uhr

Observability auch für Entwickler

Selbst Entwickler eines Systems erhalten dank Observability die Möglichkeit, den Zustand eines Systems zu überwachen. Und das ist auch gut so.
(Quelle: dotnetpro)
Früher wurde ein System mittels Monitoring überwacht. Lebt der Server noch? Stößt die Datenbank an Grenzen? Doch das reicht heute nicht mehr aus. Verteilte Systeme bestehend aus Microservices und Containern machen es notwendig, dass man sich jeder Zeit ein Bild über den inneren Zustand des Systems machen kann. Es muss also diese Möglichkeiten schaffen. Observability bezeichnet die Möglichkeit, nur anhand von Ausgabewerten den internen Zustände eines Systems festzustellen.
Observability beinhaltet Monitoring, aber Monitoring ist nicht gleich Observability. Um diese Distinktion wurden in den vergangenen zwei Jahren viele Texte verfasst. Doch nicht nur in den Medien hat das Thema mehr Beachtung gefunden. Inzwischen stellen sich viele Unternehmen gar nicht mehr die Frage, ob Observability notwendig ist, sondern nur noch, wann sie eingeführt wird. Das hängt auch damit zusammen, dass das Thema eine Demokratisierung erlebt und mehr Organisationen es sich leisten können, ein entsprechendes Tool einzuführen. Dazu haben verschiedene Faktoren beigetragen.
Der wichtigste Faktor ist die Plattform-Ökonomie, die auch vor der Observability-Branche nicht haltgemacht hat. Dadurch wurde es möglich, einen Software-Stack schneller und einheitlicher zu instrumentieren und es musste nicht mehr intern eine eigene Lösung entwickelt werden. Das setzt in Unternehmen Ressourcen frei und spart damit Zeit und Geld.
Observability und seine Vorteile wurden somit für eine breitere Masse interessant. Hinzu kam die Shift-left-Bewegung – dadurch  wird nicht nur früher getestet, sondern auch früher überwacht. Entwickler:innen wollen Anwendungen bereits in einem Umfeld mit Observability bauen. So werden Fehler im Code früher festgestellt und beim Release können mögliche Kettenreaktionen vom Observability-Tool direkt erkannt werden. Doch nicht nur für Entwickler:innen, auch für andere geschäftskritische Bereiche wird Observability interessanter.

Dashboards helfen bei der Kommunikation

Früher hatten oft nur interne Spezialisten – vor allem bei intern entwickelten Lösungen – Zugriff auf IT-Daten und das Wissen, sie zu nutzen. Observability-Plattformen erleichtern den Zugriff mit automatischer Analyse und benutzerfreundlicher Anzeige. Über anpassbare Dashboards lassen sich die wichtigsten Indikatoren schnell, einfach und mit Kontext darstellen.
Mit Observability-Tools sinken die Ausfallraten sichtbar – auch im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Dashboard – für die Anschaffung “noch eines Tools” brauchen Entwickler:innen hier keine Rechtfertigung. Der Zugriff kann auch zum Schutz vor Anwendungsfehlern individualisiert werden. Kein IT-Ops-Team muss mehr zittern, wenn der CEO auf das Tool zugreift: Mit den richtigen Dashboards sind Änderungen am Tool einfach nicht möglich.

Schnelle Instrumentierung

Je nach Branche, Größe und Qualifikationsniveau bieten viele SaaS-Provider vorgefertigte Pakete, damit Unternehmen die richtigen Tools schneller implementieren können. So können Unternehmen ihren Software-Stack ganz oder teilweise schnell instrumentieren und die Daten direkt einsehen und nutzen. Es ist kein zusätzliches Personal erforderlich und es bedarf keiner langen Übergangszeit, um eine durchgängige Beobachtbarkeit einzurichten. Dashboards können künstliche Intelligenz nutzen, um schnell zu zeigen, wie Systeme laufen und wann sie auszufallen drohen. Ein klares Farbschema sorgt außerdem dafür, dass die gesammelten Daten leicht zu verstehen sind und keine Experten für die Interpretation von Handlungsempfehlungen benötigt werden.

Pakete für alle Unternehmensgrößen

Viele Plattformen bieten vordefinierte Pakete und individuelle Zugriffe. Dies schlägt sich auch in der Preisgestaltung nieder. So können Unternehmen entscheiden, wer welche Rechte im System bekommt. Nicht jede Person, die auf die Dashboards zur Einschätzung der Uptime zugreifen will, braucht volle Rechte für das Tool. Je weniger “Zugriff” benötigt wird, desto günstiger kann ein User-Profil sein. Flexible Bezahlsysteme tragen dazu bei, dass Observability demokratisiert werden kann, indem sie die Kosten skalierbar je nach Bedarf und Unternehmensgröße macht.

Kein Vendor-Lock-In durch Open Telemetry

Die großen Plattformanbieter haben inzwischen verstanden, dass ihren Kunden  Open-Source-Tools lieber sind. Diese machen einen Vendor-Lock-in von vornherein unmöglich, da Open Source niemandem gehört. Statt die Kunden mit komplexen Systemen in ihr eigenes Tooluniversum zu sperren, ermöglichen die Plattformanbieter ihnen zunehmend den Wechsel. Nicht alles muss aus einer Hand kommen, sondern die Kunden können entscheiden, welche Tools sie von welcher Plattform und welchem Anbieter nutzen wollen.

Fazit

Observability ist nicht mehr ausschließlich großen Unternehmen vorbehalten: Flexible Preissysteme, skalierbare Produkte und Open Source haben ein End-to-End-Monitoring des IT-Stacks für nahezu jedermann ermöglicht. Flächendeckend wird Observability sicher noch nicht angewendet, aber die Plattformanbieter erleichtern Zugang, Implementierung, Nutzung und Kompatibilität immer weiter. Die Demokratisierung von Observability schreitet voran und wird vielen Unternehmen in Zukunft völlig neue Möglichkeiten bieten, ihre Daten und Prozesse sicher und gewinnbringend zu nutzen.
Quelle: Klaus Kurz
 Klaus Kurz
ist Sr. Director, Solutions Consulting Central Europe bei New Relic. Hier führt er ein stetig wachsendes Team an Solution Engineers, Solution Consultants und Solution Architects, das Kunden bei der Umsetzung ihrer Digitalisierungspläne unterstützt. Zuvor arbeitete er 15 Jahre bei Adobe und füllte Positionen vom Manager Business Development bis zum Head of Solution Consulting für Zentral- und Osteuropa.


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