Buchtipp: Daniel Rebhorn, Digitalismus 27.09.2019, 14:26 Uhr

Gedanken über ein durch KI optimiertes Miteinander

Die Digitalisierung ist eine nach wie vor schwer abschätzbare Entwicklung. Welche Auswirkungen wird sie auf uns, auf unsere Arbeitswelt und auf unsere Gesellschaft haben?
(Quelle: springer.com )
Daniel Rebhorn ist überzeugt: „Die Digitalisierung wird die Art und Weise unseres Lebens so stark verändern wie noch keine der vorangegangenen Revolutionen und Evolutionen.“ In seinem gerade bei Springer erschienenen Sachbuch Digitalismus skizziert der Autor die Utopie einer neuen Gesellschaftsform, die ein neues, durch Künstliche Intelligenz (KI) optimiertes Miteinander ermöglicht. Sein klarer, radikaler und mutiger Blick ermöglicht dabei Einblicke in eine zukünftige Kooperation zwischen Mensch und Maschine. Seine These: „Die neue und digitalisierte Gesellschaft kann weder im Rahmen eines Kapitalismus noch einer sozialen Marktwirtschaft existieren. Damit würden die riesigen Potentiale der KI für die Gesellschaft verschenkt. Wir müssen eine neue Gesellschaftsform denken und gestalten.“
Was aber können wir tun, um diese neue Gesellschaftsform zu finden? Wie genau sieht sie aus? Und welche Rolle spielt dabei die technische Entwicklung hin zur KI? Wie wird sich der Transformations-Prozess entwickeln? Daniel Rebhorn gibt mit seinem Buch einen Wegweiser und ein Konzept für die Zukunft unserer Gesellschaft: Er geht davon aus, dass es eine „Super-KI“ geben wird, die als übergeordnete Instanz fungiert. Sie bereitet Entscheidungen vor, überprüft die Auswirkungen und trifft sie dann – zum Wohle aller. Das Ergebnis: Im „Digitalismus“ werden für jeden Menschen bessere Rahmenbedingungen geschaffen. Denn die KI berechnet das Optimum für Gesellschaft, Menschen und Umwelt, so Rebhorn: „Die Maschine ist per se nicht korrumpierbar – daher kommt dieses System zu den bestmöglichen Ergebnissen. Für alle, solange wir die KI nicht korrumpieren.“ Damit das nicht passieren kann, hat er in seiner Utopie ein 5-Gewalten-System entwickelt.
„So möchte ich aber nicht leben!“ Das ist eine Aussage, die Rebhorn in seinen Gesprächen rund um die Entstehung seines Buches oft gehört hat: „Ich kann dieses Gefühl nachvollziehen, denn es geht mir hin und wieder selbst so. Erst recht, wenn ich über die Konsequenzen dieser Utopie nachdenke.“ Denn die größte Veränderung wäre ein notwendiger massiver Einschnitt in die persönliche Freiheit. Seine Freiheit gebe der Mensch nur ungern her, ist es doch ohne Zweifel eine signifikant wichtige Errungenschaft der letzten Jahrhunderte. Gleichzeitig aber stelle sich die Frage, was die Alternative zu dieser drastischen Veränderung ist. Können wir so weitermachen wie bisher? Wie sieht die Welt heute aus? Mit mehr als sieben Milliarden Menschen auf der Erde und einem stetigen Wachstum gibt es nach Meinung des Autors in der Realität so oder so nur noch wenig Raum für egoistisch motivierten Ressourcenverbrauch einzelner Personen, Organisationen oder Gesellschaften. So seien Freiheit und Demokratie schon heute oft überstrapazierte oder missbrauchte Begriffe.
Mit einem Gedankenexperiment im ersten und letzten Kapitel seines Buches zeigt Rebhorn, was er damit meint: „Kapitel 1 ist eine persönliche Sicht auf einen Tag im Jahr 2036 meines eigenen Lebens. Ich habe meine Fantasie befragt, wie wohl die Welt aussehen wird, wenn wir ohne Änderungen mit dem bestehenden Gesellschaftsmodell weitermachen. Im Gegenzug beschreibe ich den identischen Tag im gleichen Jahr im Sinne der Utopie. Kapitel 10 ist damit die Imagination einer Welt, die die Gedanken dieses Buches umgesetzt hat.“
In den Kapiteln dazwischen beschreibt Rebhorn, inwieweit die Digitalisierung heute Auswirkung auf die Wirtschaft und unsere Arbeitswelt sowie andere Lebensbereiche hat – und in Zukunft noch haben wird. Und warum sie dabei nicht nur eine Veränderung dieser Bereiche bedeutet, sondern auch aktiv als relevanter Bestandteil für die Umgestaltung der Gesellschaft genutzt werden kann: „Hierbei spielt der Einsatz von KI eine wichtige Rolle – vor allem wird es darum gehen, wie KI die verschiedenen Gewalten innerhalb eines modernen Staatssystems anders und besser gestalten kann.“ Dazu entwickelt der Autor ein 5-Gewalten-Modell, dass die Vorteile der KI mit der Kreativität der Menschen und der Notwendigkeit einer KI- und Systemkontrolle verknüpft. Schließlich beantwortet er die zentrale Frage: Wie kann die von ihm konstruierte Utopie Realität werden? Dafür stellt er zehn Prämissen für die erfolgreiche Umsetzung auf, in denen er gleichzeitig auf die zu erwartenden Kritikpunkte eingeht – eine abstrakte Anleitung für die Utopie einer neuen Gesellschaftsform, dem „Digitalismus“.

Zum Autor:

Daniel Rebhorn war früh in seiner Karriere als selbstständiger Software-Entwickler und IT-Berater für verschiedene Unternehmen tätig. Er ist Gründer und seit 1995 Managing Partner der diconium Gruppe, die sowohl Strategie- und Prozessbegleitung als auch Digital Analytics, Digital Commerce und Content-Aggregation anbietet.
Weitere Informationen zum Buch finden Sie unter www.springer.com/de/book/9783658261306.


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