Editorial 18.11.2019, 00:00 Uhr

Zapfenstreich

So, Schluss! Fertig! Aus! Finito! Passé! Rum! Vorüber! .NET Core ist ein für allemal und unwiderruflich komplett.
(Quelle: dotnetpro )
Oder um es mit den Worten eines nicht ganz unbekannten, aber in Teilen doch recht umstrittenen Politikers zu sagen: „Microsoft did a fantastic job. But it is time now to move on.“ Microsoft hat einen fantastischen Job gemacht. Aber jetzt ist es Zeit, etwas Neues zu beginnen. Die Portierung sei abgeschlossen, meldete Program Manager Immo Landwerth [1], der .NET Standard und die Übertragung der Klassen und Typen von .NET Framework nach .NET Core maßgeblich verantwortet hat. Die restlichen 20 Prozent würden nicht mehr portiert. Dazu gehören Remoting, WCF, WF, Web Forms und AppDomains. Scott Hunter hatte schon auf der Konferenz Build 2019 klargestellt, dass es diese Einheiten in .NET Core 3 und folgenden Versionen nicht geben würde. Der Schwerpunkt der vergangenen dotnetpro hatte sich ausgiebig dem Thema gewidmet und die Möglichkeiten aufgezeigt, die fehlenden Bibliotheken zu ersetzen.
Damit sind nun rund 180 000 APIs unter .NET Core verfügbar. Eine stattliche Zahl, die nicht überall auf Zustimmung stößt. „Wer baut denn bitte auf so einem Komplexitätsmonster noch seine Business-Software auf, die nochmal einen Komplexitäts-Wolkenkratzer draufpackt?“, fragt Fefe alias Felix von Leitner in einem Blogpost [2]. „Creating tomorrow’s legacy, today!“
Von der Hand zu weisen ist der Vorwurf nicht. Wer kennt schon alle Klassen und Typen und kann feststellen, ob in der ein oder anderen unter bestimmten Umständen Fehler passieren? Die Vorstellung aber, Anwendungen für grafische Oberflächen wie Windows mit Win32 programmieren zu müssen oder Webanwendungen ohne MVC oder Ähnliches, jagt mir Schauder über den Rücken. Ich sage nur:

HWND CreateWindow(lpClassName, lpWindowName, dwStyle, x, y, nWidth, nHeight, hWndParent, hMenu, hInstance, lpParam);

Für Immo beginnt nun aber ein neues Leben. Endlich hat er seine „Strafarbeit“ abgeschlossen. „Romanes eunt domus“ ist hundermal in der richtigen Fassung geschrieben. Es gebe noch viel tun, meint er dotnetpro gegenüber. Beispielsweise sollen die intrinsischen Funktionen erweitert werden, also prozessorspezifische Funktionen. Das betrifft unter anderem mathematische Methoden für den Typ floating point. Auch über eine Bibliothek für Berechnungen in linearer Algebra werde nachgedacht. Freuen wir uns für Immo. .NET Core classis ite domum!
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