Editorial 15.04.2019, 00:00 Uhr

Zeit für Veränderungen

Vom Refaktorisieren und dem, was dabei herauskommt.
(Quelle: dotnetpro )
Die Parole des Schwerpunkts in der dotnetpro 4/2019 habe ich mir zu Herzen genommen: Ich wollte auch endlich mal refaktorisieren. Sie erinnern sich: ­Refaktorisieren ist die Kunst, so viel Arbeit wie möglich in etwas zu stecken, das dabei nur ja nicht verändert werden darf. Dass der Aspekt der Veränderung an anderer Stelle passiert als die erzwungene Invarianz, verschweige ich hier geflissentlich – um des Zynismus willen. Auf jeden Fall sollen die inneren Werte verbessert werden, nur außen soll alles gleich bleiben. Wahret den Schein.
Und die innere Struktur des Objekts meiner Aktion war – sagen wir mal – ein bisschen, aber nicht weit entfernt von der Ordnung in einem Koffer nach zweimonatiger Weltreise. Wie das immer ist, wenn Sachen aus einer akuten Notlage entstehen und dementsprechend schnell zusammengeflickt werden. Also frisch ans Werk und die Regel Nummer eins für das Refaktorisieren beachten:

Erst einmal für Tests sorgen, um die einwandfreie Funktionsweise nach außen hin abzusichern.

Ist das geschehen, geht es richtig los: Die schlimmsten Stellen aufräumen, indem ganze Bereiche eliminiert werden. Genau dieser Schritt kostet aus zwei Gründen viel Überwindung: 1. Die mit viel Mühe erzeugte Nicht-Struktur kann man doch nicht einfach so wegwerfen??? 2. Der Zeitdruck, unter dem die Erneuerung stattfindet, spricht nicht dafür, große Teile neu zu entwickeln. Aber es hilft nichts. Weg mit dem Dreck. Dann beginnt das Neuaufbauen der Funktionalität.
Ich verbesserte nach diesem Strickmuster die Aufhängung der Lampe über dem Tisch meines Esszimmers und überholte auch noch deren Outfit: da schleifen, dort malern. Was dringend nötig war: Die Lampe hatte ich kurz nach dem Einzug in unser Haus zusammengefrickelt, da eine passende Beleuchtung fehlte. Sie war nicht nur in die Jahre gekommen, sondern musste auch an die neue Stellung des Tischs angepasst werden – um 90 Grad gedreht.
Schlussendlich montierte ich die Lampe wieder an die Decke und betrachtete mein Werk mit Wohlwollen. Die Aufhängung war montagefreundlich umgebaut und Aufhängung sowie Lampe glänzten durch einen neuen Anstrich. Auch alle Tests waren grün: Strom an – Lampe brennt. Strom aus – Lampe brennt nicht. Die Lampe hing jetzt wieder mittig über dem Tisch, und alles war innerhalb der festgesetzten Zeit von zwei Tagen über die Bühne gegangen. Fazit: Refaktorisieren macht Spaß – auch jenseits der Softwareentwicklung.
Viel Spaß mit der dotnetpro wünscht Ihnen
Tilman Börner
Chefredakteur dotnetpro
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